Brillenwerte in Kontaktlinsenwerte umrechnen: So geht es richtig (September 2026)

Brillenwerte lassen sich nicht eins zu eins auf Kontaktlinsen übertragen: Ab etwa ±4,00 Dioptrien muss die Stärke über den Hornhautscheitelabstand umgerechnet werden – Minuswerte fallen bei der Kontaktlinse schwächer aus, Pluswerte stärker. Zusätzlich benötigen Kontaktlinsen Parameter wie Basiskurve und Durchmesser, die nur direkt am Auge gemessen werden können.

Warum Brillenwerte und Kontaktlinsenwerte nicht identisch sind

Wer von der Brille zur Kontaktlinse wechseln möchte, greift verständlicherweise zunächst zum Brillenpass. Doch Vorsicht: Die dort eingetragenen Dioptrienwerte gelten nur für ein Glas, das in einem bestimmten Abstand vor dem Auge sitzt. Eine Kontaktlinse schwimmt dagegen direkt auf dem Tränenfilm der Hornhaut. Dieser Unterschied von wenigen Millimetern verändert die optische Wirkung der Korrektur – und genau deshalb kann eine Umrechnung der Werte notwendig werden.

Grundregel: Je höher die Fehlsichtigkeit, desto größer fällt der Unterschied zwischen Brillen- und Kontaktlinsenwert aus. Bei niedrigen Werten ist die Abweichung dagegen meist so gering, dass sie unterhalb der üblichen Abstufung von 0,25 Dioptrien liegt.

Der Hornhautscheitelabstand: die entscheidende Größe

Der Fachbegriff hinter der Umrechnung lautet Hornhautscheitelabstand, kurz HSA. Gemeint ist die Distanz zwischen dem vordersten Punkt der Hornhaut und der Rückfläche des Brillenglases. Bei den meisten Brillen liegt dieser Abstand etwa zwischen 12 und 16 Millimetern – abhängig von Fassungsform, Nasensteg und Sitz der Brille im Gesicht.

Warum ist das so wichtig? Die Brechkraft eines Korrektionsglases ist immer auf einen bestimmten Abstand zum Auge ausgelegt. Wandert die Korrektur näher ans Auge heran – wie bei einer Kontaktlinse, bei der der HSA praktisch null beträgt –, verschiebt sich die Lage des Brennpunkts. Damit das Bild weiterhin scharf auf der Netzhaut entsteht, muss die Stärke der Kontaktlinse entsprechend angepasst werden. Wichtig zu wissen: Auch die Augenglasbestimmung selbst bezieht sich immer auf einen bestimmten HSA. Idealerweise ist dieser Wert auf dem Rezept vermerkt oder wird vom Augenoptiker an der getragenen Brille gemessen.

Kurzsichtig oder weitsichtig? Die Richtung der Anpassung

  • Kurzsichtigkeit (Minuswerte): Die Kontaktlinse fällt etwas schwächer aus als das Brillenglas. Aus −6,00 Dioptrien im Brillenpass werden beispielsweise rund −5,50 Dioptrien bei der Linse.
  • Weitsichtigkeit (Pluswerte): Die Kontaktlinse benötigt eine etwas stärkere Wirkung. Aus +6,00 Dioptrien werden dann etwa +6,50 Dioptrien.

Ab welchen Werten muss umgerechnet werden?

Als Faustregel in der Augenoptik gilt: Ab etwa ±4,00 Dioptrien wird der Unterschied so groß, dass er in der Kontaktlinsenstärke berücksichtigt werden sollte. Unterhalb dieser Schwelle bleibt die rechnerische Differenz meist kleiner als eine Viertel-Dioptrie und kann in der Praxis vernachlässigt werden.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich Brillenwerte bei einem Hornhautscheitelabstand von 12 Millimetern in Kontaktlinsenwerte übersetzen – solche Übersichten werden in der Augenoptik als HSA-Tabellen bezeichnet (gerundet auf übliche 0,25-Dioptrien-Schritte):

Brillenwert (Sphäre) Ungefährer Kontaktlinsenwert
−8,00 dpt ca. −7,25 dpt
−6,00 dpt ca. −5,50 dpt
−4,00 dpt ca. −3,75 dpt
−2,00 dpt ca. −2,00 dpt (keine Anpassung nötig)
+4,00 dpt ca. +4,25 dpt
+6,00 dpt ca. +6,50 dpt
+8,00 dpt ca. +8,75 dpt

Liegt zusätzlich eine Hornhautverkrümmung vor, muss auch der Zylinderwert betrachtet werden. Für die Korrektur mit Kontaktlinsen kommen dann torische Linsen zum Einsatz, deren Achslage direkt am Auge kontrolliert wird.

Diese Angaben brauchen Kontaktlinsen zusätzlich

Selbst mit korrekt umgerechneter Stärke ist ein Brillenpass noch kein vollständiges Kontaktlinsenrezept. Für eine sicher sitzende Linse sind weitere Parameter erforderlich, die nur am Auge selbst gemessen werden können:

  • Basiskurve (BC): die Krümmung der Linsenrückfläche, die zur Wölbung der Hornhaut passen muss
  • Durchmesser (DIA): die Größe der Linse, abgestimmt auf Hornhaut und Lidspalte
  • Zylinder und Achse: Bei torischen Linsen muss die Achslage am Auge geprüft werden, da sich Linsen beim Lidschlag leicht drehen können
  • Tränenfilm und Verträglichkeit: Material und Wassergehalt der Linse sollten zur Augenbenetzung passen

Eine professionelle Kontaktlinsenanpassung beim Augenoptiker oder Augenarzt ist deshalb kein optionales Extra, sondern die Grundlage für gutes Sehen und gesunde Augen. Wer Linsen allein nach Brillenpass bestellt, riskiert unscharfes Sehen, Druckstellen auf der Hornhaut oder gereizte Augen.

Und umgekehrt: Von der Kontaktlinse zurück zur Brille

Die Umrechnung funktioniert übrigens in beide Richtungen. Wer bislang nur seine Kontaktlinsenwerte kennt und eine neue Brille oder neue Gläser benötigt, sollte ebenfalls nicht einfach dieselben Dioptrien übernehmen. Bei höheren Stärken gilt spiegelbildlich: Kurzsichtige benötigen im Brillenglas etwas mehr Minus, Weitsichtige etwas weniger Plus als in der Linse. Auch hier liefert eine aktuelle Augenglasbestimmung die verlässlichsten Werte – zumal sich die Sehstärke im Laufe der Zeit verändern kann.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Brillenwerte gelten für einen Abstand von etwa 12 bis 16 Millimetern vor dem Auge – Kontaktlinsen sitzen direkt auf der Hornhaut.
  2. Ab etwa ±4,00 Dioptrien muss die Stärke über den Hornhautscheitelabstand umgerechnet werden: Minuswerte werden schwächer, Pluswerte stärker.
  3. Basiskurve, Durchmesser und Achslage lassen sich nicht aus dem Brillenpass ablesen – dafür ist eine Anpassung am Auge nötig.
  4. Auch der Weg zurück zur Brille erfordert bei hohen Stärken eine Umrechnung; am sichersten ist eine frische Augenglasbestimmung.
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